Grußworte

Grußwort zum 30. Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2019

Dr. Johannes HorlemannSehr verehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen, liebe Besucher des Frankfurter Schmerztages, in diesem Jahr haben wir Grund zum Feiern: der Frankfurter Schmerz- und Palliativtag findet zum 30. Mal statt. Mit dieser stolzen Zahl ist der Schmerz- und Palliativtag, der aus den Bedürfnissen nach Information und Fort- und Weiterbildung entstanden ist in einer Zeit, in der die Schmerzmedizin noch in den Kinderschuhen steckte, zu einem Fixpunkt geworden im Jahresablauf und einem regelmäßigen Treffpunkt für viele Schmerzinteressierte. Diese 30-jährige Tradition von Information, Austausch und Weiterbildung hat nichts ihresgleichen in der schmerzmedizinischen Landschaft. Entgegen dem allgemeinen Trend ist der Schmerztag stets größer geworden, das Angebot vielfältiger. Auch in diesem Jahr erwartet Sie wieder eine Fülle von Themen rund um den Rückenschmerz, degenerativen Schmerz, Nervenschmerz und psychologische Themen. Ein besonderes Highlight wird in diesem Jahr der Samstag sein mit einem Kopfschmerz-Curriculum, dass aus der Zusammenarbeit mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) entstanden ist. Mein besonderer Dank gilt Frau Dr. A. Gendolla, die sich um die Organisation und Ausgestaltung dieses Teils des Schmerztages besonders verdient gemacht hat. Besonderen Dank möchte ich auch sagen all den vielen Helfern vor Ort, sowie dem Planungskomitee, dem Vorstand der DGS und der Geschäftsstelle in Berlin: ohne die konstruktive Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten wäre ein solch rundes Programm wie im Jahre 2019 nicht möglich gewesen. Dank gilt auch denen, die den Schmerztag finanziell unterstützt haben. Ohne diese Unterstützung wäre eine solch große Veranstaltung nicht denkbar. Dank gilt auch Ihnen, die den Schmerztag regelmäßig besuchen und ihn zu einer Institution gemacht haben. Herzlichen Dank, dass sie sich jedes Jahr erneut einbringen, und oft lange Wege nicht gescheut haben. Ich hoffe sehr, dass sie belohnt werden durch kollegiale Begegnungen und Erkenntnisgewinn. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen erfolgreichen Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2019 in Frankfurt.

Ihr Dr. Johannes Horlemann

Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

PD Dr. med. Michael A. Überall„Individualisierung statt Standardisierung“ – unter diesem Motto steht in diesem Jahr der 30. Deutsche Schmerz- und Palliativtag, der auch 2019 wieder schmerzmedizinisch interessierte Ärztinnen und Ärzte sowie Vertreter nichtärztlich tätiger Fachgruppen hier in Frankfurt auf dem größten deutschen Versorgungskongress für den Bereich Schmerz und Palliativmedizin zusammenführt.

Mit dem diesjährigen Schwerpunktthema adressiert der Kongress nicht nur aktuelle Entwicklungen bzgl. einer zunehmenden Diskrepanz zwischen wissenschaftlicher Evidenz und schmerzmedizinisch relevanter Individualisierung, sondern widmet sich insbesondere auch Fragen der Bedürfnisorientierung und des individuellen Patientennutzens. Während Schmerzmedizin ohne Erfahrung einem Blindflug unter Ausfall von Sicht und Instrumentennavigation gleicht, birgt der Ausschluss der Evidenz aus dem Versorgungskontext des Alltags die Gefahr einer entrationalisierenden Mythologisierung unseres Handelns. Dabei gehören Erfahrung und Evidenz – auch nach Vorstellung der Begründer der evidenzbasierten Medizin – untrennbar zusammen und bilden – zusammen mit den Erwartungen Betroffener und dem Kontext der jeweiligen Behandlungssituation das Fundament für eine optimale Adressierung der individuellen Bedürfnisse Betroffener, wie auch der des Kollektivs aller an einer modernen, zeitgemäßen und kosteneffizienten Gesundheitsversorgung interessierten Menschen in Deutschland. Nicht Evidenz oder Erfahrung, sondern Evidenz mit Erfahrung zeigen uns Auswege aus dem aktuell zunehmenden Dilemma der rationalisierenden Rationierung spezifischer Gesundheitsleistungen für chronisch schmerzkranke Menschen.

Im Namen der Deutschen Schmerzliga danke ich allen Teilnehmern für Ihr Interesse an diesem Kongress. Ich danke Ihnen für Ihre Bereitschaft sich im Rahmen dieser Tagung nicht nur über neue Forschungsergebnisse zu informieren, sondern insbesondere auch über praktische Umsetzungsmöglichkeiten und aktuelle Entwicklungen zur konkreten Verbesserung der Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen und/oder solchen in einer palliativen Behandlungssituation in Deutschland. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Allen interessante, anregende und abwechslungsreiche Tage auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2019 in Frankfurt
Ihr


PD Dr. med. Michael A. Überall
Präsident der Deutschen Schmerzliga e.V.

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Gäste,

wir freuen uns sehr, Sie erstmals gemeinsam im Namen der DMGK und der DGS auf dem Deutschen Schmerztag 2019 in Frankfurt begrüßen zu dürfen.

Stefanie FörderreutherAstrid Gendolla

Unser Thema in diesem Jahr: Individualisierung statt Standardisierung. Es ist mit Bedacht gewählt.

Veränderungen durch die Digitalisierung machen auch vor der Medizin nicht halt. Selbst wenn die Digitalisierung den Einen oder Anderen schreckt – sie eröffnet ebenso vielversprechende Möglichkeiten. Den Wandel zu erkennen, die positiven Seiten für sich zu gewinnen und sich zu positionieren, gilt es in allen Bereichen unserer Gesellschaft und natürlich ebenso in der Medizin. Längst kennen wir beispielsweise Änderungen in der Arzt-Patienten-Beziehung durch den von Dr. Google vor-informierten Patienten, der uns auf Augenhöhe begegnen will oder die Hoffnung allein durch die Hilfe einer APP ein chronisches Leiden zu lindern. Dem entgegen steht unser Selbstverständnis Patienten, die Rat und Hilfe suchen, professionell und individuell auf der Basis des eigenen Erfahrungsschatzes ärztlich – nicht nur medizinisch - zu beraten. Das dafür notwenige Vertrauen in der Arzt-Patient Beziehung und die gegenseitige Wertschätzung sind elementare Bestandteile der Kunst des ärztlichen Handelns: das beste verfügbare Wissen zum Wohle des Einzelnen individuell einzusetzen. Hierbei ist Unterstützung durch moderne Formen der Kommunikation und der Digitalisierung willkommen.

Kopfschmerz ist ein Schwerpunkt des diesjährigen Schmerztages. Kopfschmerzerkrankungen sind häufig und sie sind ein weites und spannendes Feld innerhalb der Schmerzmedizin mit zahlreichen Therapieoptionen. Aus diesen Gedanken heraus, aus jahrzehntelanger Freundschaft und Zusammenarbeit ist die Idee entstanden hier beim Schmerztag einen neuen Weg zu beschreiten und das Curriculum Kopfschmerz anzubieten. Mit der neuen Substanzklasse der CGRP(-Rezeptor) Antikörper hat nicht nur eine neue Wirkstoffklasse in der Migräneprophylaxe Einzug gehalten – auch das Interesse am Kopfschmerz ist bei vielen geweckt worden. Die Erwartungen an diese Substanzen sind hoch – sowohl die des Arztes als auch die des Patienten. Wir wissen: Es gibt noch viele offenen Fragen nicht nur zu den neuen Substanzen, sondern rund um das Thema Kopfschmerz– wir werden sie aufgreifen und sind glücklich, dass zahlreiche Referenten aus den Reihen der DGS und der DMKG unserer Einladung nach Frankfurt gefolgt sind, um Sie Fit für Kopfschmerz zu machen! Gemeinsam mit den Referenten freuen wir uns auf spannende Tage mit Ihnen.

Frau Dr. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der DMKG
Dr. Astrid Gendolla, Vizepräsidentin der DGS

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Ulrich Weigeldtder Begriff Schmerzpatient ist gelegentlich etwas irreführend, da mit ihm eine Gruppe von Patienten zusammengefasst wird, die keineswegs dasselbe Schicksal teilen. Was sie eint, ist, dass sie (anhaltende) Schmerzen plagen. Davon abgesehen, sind ihre Leidensgeschichten aber in den meisten Fällen sehr unterschiedlich und individuell. Schmerz ist eben nicht gleich Schmerz.

Daher ist es umso wichtiger, dass der Aspekt der individuellen Behandlung von Schmerzpatienten im diesjährigen Motto des Deutschen Schmerz- und Palliativtages hervorgehoben wird. So muss beispielsweise neben den Faktoren, die bei jeder Diagnose und Therapie eine Rolle spielen, bei Schmerzpatienten verstärkt auf psychosoziale Aspekte geachtet werden. Wie wirkt sich der Schmerz auf das alltägliche Leben aus? Welche Ängste und Sorgen treiben den Patienten um? Welche Bedenken gibt es hinsichtlich möglicher Therapien? Eine lange Kenntnis des Patienten und seines Umfeldes, wie auch eine vertrauensvolle Beziehung zum Arzt, sind hier unabdingbar. Daher ist der Hausarzt der erste Ansprechpartner seiner Patienten und auch bei der palliativen und schmerztherapeutischen Behandlung der, bei dem die Fäden zusammenlaufen müssen. Als Generalist ist er für diese Arbeit speziell weitergebildet, die er täglich in seiner Praxis leistet.

Dies ist umso wichtiger, da das deutsche Gesundheitswesen immer komplexer wird. Das führt dazu, dass sich viele Patienten nicht mehr zurechtfinden und unkoordiniert von einem Arzt zum anderen laufen. Die Leidensgeschichte der Patienten wird dadurch unnötig verlängert und es entstehen neue Schnittstellen, die wiederum zu Lücken in der Versorgung führen. Das sind Risiken, die man leicht vermeiden könnte.

Anstelle zunehmender Zersplitterung brauchen wir strukturierte Versorgungwege durch eine hochwertige Behandlung und Koordination durch den Hausarzt. Dieser kann in den meisten Fällen seine Patienten abschließend in der eigenen Praxis versorgen – oder weiß, falls notwendig, an wen er sie am besten überweisen muss. Natürlich setzt dies auch eine stabile sektorenübergreifende Zusammenarbeit und einen engen Austausch mit anderen Ärzten und Heilberuflern voraus. Das ist, insbesondere bei chronisch kranken oder multimorbiden Patienten, eine wesentliche Voraussetzung für eine hochwertige Versorgung. Der primärärztliche Ansatz ist hierzu allerdings kein Widerspruch! Im Gegenteil: Je strukturierter die Behandlungsabläufe, desto effizienter kann die Zusammenarbeit funktionieren!

Natürlich setzt das eine kontinuierliche, unabhängige und qualitätsgestützte Fortbildung, beispielsweise in Qualitätszirkeln, voraus. Dabei ist es natürlich essentiell, dass das medizinische Wissen auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft ist. Allerdings muss dabei auch betont werden: Qualifizierte Fortbildungen sind das eine, Zusatzqualifikationen, die nichts mit der Versorgung unserer Patienten zu tun haben, das andere! Es kann und darf nicht sein, dass die Versorgung von Patienten immer häufiger an aufwändige Formalitäten geknüpft wird. Davon, dass Ärzte wie wild einem Zertifikat nach dem anderen hinterherrennen müssen, wird die Versorgung jedenfalls nicht besser!

Stattdessen plädiere ich für gut strukturierte, praxisnahe Fortbildungen – auch in Kooperation mit den zuständigen Fachgesellschaften. Diese können wichtige Hinweise zu Qualität und Aktualität der angebotenen Fortbildungen geben. Das macht Veranstaltungen, wie den Deutschen Schmerz- und Palliativtag, so wichtig: Sie bieten eine gute Gelegenheit, um sich miteinander über genau diese wichtigen Versorgungsaspekte und -ansätze auszutauschen und sie weiterzuentwickeln.

Für den diesjährigen Schmerz- und Palliativtag wünsche ich Ihnen spannungsreiche Diskussionen und einen erfolgreichen Austausch.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Ulrich Weigeldt
Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Dr. Bernhard GibisSchmerzen als Leitsymptom und (über-)lebenswichtiger Marker für Gefahrenzustände sind für untrennbar mit dem Leben verbunden. Sofern Schmerzen diese Funktion verloren bzw. ursächlich diese nicht zu beheben sind, bedarf es eigener, spezifischer Herangehensweisen und Maßnahmen, um Patientinnen und Patienten individuell und angemessen im Umgang mit dieser Krankheit zur Seite stehen zu können. Die Behandlung von Schmerzen ist deshalb essenzieller Bestandteil einer jeden Heilkunde und ist damit einer beständigen Weiterentwicklung und Neubewertung unterworfen. Aufgrund seiner grundsätzlichen Bedeutung gibt es kaum eine Gesundheitsprofession und –struktur, die nicht mit der Behandlung von Schmerzen befasst wäre. Hierin liegen, nicht alleine, aber maßgeblich, Glanz und Elend der heutigen schmerztherapeutischen Versorgung begründet. Um es aus der Warte von Patientinnen und Patienten zu betrachten: Jahrelange Odysseen, fehlende Vernetzung der an der Versorgung Beteiligten, ungenügende Kenntnisstände sowohl über die Möglichkeiten einer modernen Schmerztherapie als auch über den Erfolg schmerztherapeutischer Maßnahmen in der Realversorgung geben häufig das Bild einer zwar teuren, nicht aber effektiven und letztlich auch wirtschaftlichen Versorgung ab.

Dieses Bild ist keine Besonderheit des deutschen Gesundheitswesens. Alle modernen Gesundheitssysteme kämpfen mit den Herausforderungen einer durch technischen Fortschritt, lieb gewonnenen Gewohnheiten und fehlender übergeordneter Zielsetzung fragmentierten schmerztherapeutischen Versorgung. Die Antworten darauf gleichen sich: Vernetzung, Ausbau der Kompetenz-/Wissensbasis und Etablierung von multiprofessionellen Teamansätzen. Vernetzung zielt dabei vor allem auf einen geordneten Informationsaustausch aller Beteiligten im Patienteninteresse ab. Möglichkeiten der digitalen Vernetzung, sowohl von Gesundheitsberufen untereinander als auch zwischen Heilberufen und Patienten, stehen hierbei ganz oben auf der Agenda. Der Erwerb schmerztherapeutischer Kompetenzen in der Ausbildung von allen Heilberufen ist sicherlich so gut wie noch nie zuvor, reicht aber noch nicht aus. Auch hier gilt es, neue Wege der Wissensvermittlung, wie sie sich auch aus digitalen Medien ergeben, offen und zielgerichtet einzusetzen. Dies bezieht auch unsere Patienten mit ein. Deren individuellen Fähigkeiten und Kompetenzen, an der Wiederherstellung oder Beibehaltung ihrer eigenen Gesundheit mitzuwirken ist die möglicherweise am meisten vernachlässigte und unterschätze Ressource und diese gilt es gezielt zu fördern. Und schließlich wird die Behandlung von Patienten immer weniger zur heroischen Einzeltat, sondern zu einer Gemeinschaftsleistung, die auf Augenhöhe von vielen beteiligten Gesundheitsberufen erbracht wird. Hierfür gilt es sowohl strukturelle als auch leistungsrechtliche Voraussetzungen zu schaffen, ein Prozess, der derzeit in vollem Gange ist.

Zum Jahrestag der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin darf ich allen Beteiligten für ihr Engagement danken und darf dem 30. Deutschen Schmerz- und Palliativtag gute Beratungen und gute Ergebnisse für dringend erforderliche Weiterentwicklung der schmerztherapeutischen Versorgung wünschen.

Dr. Bernhard Gibis,
Leiter des Geschäftsbereich Sicherstellung und Versorgungsstruktur